Offenbach Post vom 17. Februar 2016

BÜRGER REDEN MIT der Leiterin von Genuss & Aroma

Schon lange bevor bekannt wurde, dass der CAP-Markt schließen werde, beschäftigten sich die Bürger für Obertshausen mit dem Thema Einzelhandel. Der liebenswerten Kleinstadt fehlen in den beiden Ortsteilen Zentren mit Einzelhandelsgeschäften, die die Einwohner hier im Ort halten und Obertshausen nicht zu einer „Schlafstadt“, wie von einer Besitzerin eines Geschäftes geäußert, werden lässt.

 

Aus diesem Grund haben die „Bürger“ Einzelhandelsgeschäfte besucht und werden diese Besuchsreihe nach den Kommunalwahlen fortsetzen. Es sollten dies Unternehmen sein, die etwas Außergewöhnliches anbieten (oder ein originelles Geschäftskonzept besitzen), lange in der Stadt ansässig sind und auch bekannt sind durch ein gutes Angebot in Ihrem Marktsegment und durch freundliche und kompetente Beratung sowie durch verkaufsfördernde Aktivitäten und Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen. Bis jetzt besuchten die „Bürger“: Genuss & Aroma Christiane Schmitt-Kaliga, Hoffmann schreiben · spielen · schenken und Hugos Weinwelt Inh. Hugo Beutler-Torkler.

 

 

 

Vornehmlich wollten die „Bürger“ erfahren mit welchen Problemen der Einzelhandel in Obertshausen zu kämpfen hat, womit die besuchten Unternehmen diesen Problemen begegnen und ob und wie die Stadt dazu beitragen kann, dass es in Obertshausen ein vielfältiges Angebot gibt.

 

 

 

Bei Genuss & Aroma findet man u. a. ein hochwertiges Angebot an Tees, Kaffees, Konfekt und anderen Genussmittel. Das Besondere an dem Geschäft ist die Möglichkeit dort beispielsweise auch einen Espresso, Cappucino etc. zu trinken. Frau Schmitt-Kaliga berichtet, dass dieses Angebot gerne angenommen wird und dabei sich sehr interessante Gespräche entwickeln. Hier hat sich bereits schon ein kleines Stammpublikum gebildet, das die Möglichkeit des Austausches sehr schätzt. Geschenke werden von Frau Schmitt-Kaliga sehr geschmack- und liebevoll eingepackt. Für sie ist es wichtig ihrem Publikum zu vermitteln, dass sie auch nur „schnuppern“ können ohne etwas zu kaufen.

 

 

 

Was Frau Schmitt-Kaliga bemängelt, sind sie baulichen Gegebenheiten in der Umgebung. Auf dem Parkplatz vor der Friedrich-Fröbel-Schule parken Lieferwagen, deren Besitzer häufig ihren Abfall dort liegen lassen. Das gleiche Bild ergibt sich auf einem nahegelegen Grundstück, das für jeden einsehbar ist, ständig Müllberge. Bei Dunkelheit ist der Parkplatz vor der FFS nicht beleuchtet. Es wird in der Straße zu schnell gefahren, zum Teil auch entgegen der Fahrtrichtung. Frau Schmitt-Kaliga ist davon überzeugt, dass diese „Zustände“ viele Kunden davon abhalten in der Gegend des Kapellenhofs einzukaufen.

 

 

 

Frau Hoffmann und Herr Beutler-Torkler kennen die Probleme des hiesigen Einzelhandels nur zu gut. Beide waren Vorsitzende des „Kreis freundlicher Fachgeschäfte“.

 

Frau Hoffmann berichtet, dass Kunden durchaus mal beklagen, dass die Preise für einige Artikel teurer sind als bei den „Discountern“. In Ihrem Geschäft ist das Sortiment z. B. bei Bürobedarf wesentlich größer und differenzierter. Oft lässt sich auch die Qualität der Artikel nicht miteinander vergleichen.

 

Zudem werden Kunden hier ausführlich und geduldig beraten. Durch die Ausgabe von Kundenkarten kann so mancher einen Preisbonus erhalten.

 

Auch Online können Artikel bestellt werden. Hierzu kann ein Katalog angefordert werden.

 

Frau Hoffmann regte bei dem Besuch an, in der Höhe von Aldi und DM Hinweisschilder anzubringen, die auf die Geschäfte in der Nähe des Kapellenhofes hinweisen.

 

 

 

Der Standort von Hugos Weinwelt hat von Hausen nach Obertshausen gewechselt. Das hat dazu geführt, dass jetzt auch mal „Laufkundschaft“ das Geschäft betritt. In Hausen befand sich das Geschäft am Ortsrand und wurde von Käufern bewusst angefahren. Herrn Beutler-Torkler ist bewusst, dass im Internet dieselben Weine günstiger angeboten werden. Bei ihm jedoch hat der Kunde die Möglichkeit Weine zu probieren. Einmal im Monat lädt er ein zu „Wein & Gebabbel“. Hier werden verschiedene Wein zur Probe angeboten und es gibt dazu stets eine kleine Köstlichkeit. „Wir müssen unseren Kunden etwas Besonderes anbieten, um uns für sie interessant zu machen“, so Herr Beutler-Torkler. Er kooperiert mit manch anderem Einzelhandelsunternehmen, so dass er bei besonderen Events auch mit einem Weinstand anwesend ist.

 

 

 

In einer Marktwirtschaft hängt es natürlich sehr von der Nachfrage ab, wie sich Einzelhandelsgeschäfte in einem Ort halten bzw. sich neue Geschäfte ansiedeln. Die Tatsache z. B., dass es in Obertshausen kein Schuhgeschäft gibt, ist sicher der Tatsache geschuldet, dass es keinen Unternehmer gibt, der davon ausgeht, dass sich solch ein Geschäft hier lohnt. Die „Bürger“ wollten wissen, wie die Stadt sich ihrerseits um einen attraktiven Einzelhandel bemühen könnte, das würde letztlich auch die Attraktivität der ganzen Stadt steigern.

 

Alle waren sich darin einig, dass Kommunikation auf den unterschiedlichsten Ebenen eine große Bedeutung zukommt. Auf der Homepage der Stadt sind Informationen zugänglich. Aber für eine „Neuunternehmerin“, wie Frau Schmitt-Kaliga ist das nicht sofort ersichtlich. Die Online-Plattformen sollten attraktiver und schneller erkennbar sein. Häufigere Gesprächsrunden, wie Unternehmerfrühstück, werden als sinnvoll erachtet, verbunden mit kleineren informativen Vorträgen. In Hinblick auf eine sinnvolle Wirtschaftsförderung hat man nicht eine neue Stelle im Visier. Es würde z. B. ausreichen sich nach Bedarf von außerhalb „Beratung“ einzukaufen. 

 

Es wurden im Rahmen dieser Besuche viele Einzelmaßnahmen vorgetragen: z. B. das Erstellen eines Katasters mit leer stehenden Ladengeschäften; Besitzer, deren Ladengeschäfte leer stehen dazu anregen deren Schaufenster ansehnlicher zu gestalten; es gibt zwar den „Kreis freundlicher Fachgeschäfte“, aber da nicht alle Einzelhandelsunternehmer Mitglied sind, wäre auch ein „Runder-Tisch-Einzelhandel“ eine denkbare Maßnahme.

 

 

 

Einig sind sich alle auch in der Einschätzung, dass die Entwicklung des Einzelhandels in engem Zusammenhang mit der gesamten Stadtentwicklung zusammenhängt, letztlich bedarf es eines Stadtmarketings. Das wiederum unterstreicht die Bedeutung der Kommunikation der entsprechenden Entscheidungsträger und die Innovationsfähigkeit der Unternehmer. Die Einwohner müssen sich bei ihrem Kaufverhalten fragen, was trage ich zu einem attraktiven Angebot bei. Eine Unterschrift zum Erhalt eines Marktes (ein wichtiges Zeichen) reicht da sicher nicht aus. „Was ist, wenn wir nicht mehr da sind“, fragt besorgt die Inhaberin von Genuss & Aroma.